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Die Felsenkeller

Lageplan der Felsenkeller am Burgberg von 1925 (ergänzt nach BIRZER 1968, Durchschlag des Henninger-Kellers v. FREYBERG 1975).
Lageplan der Felsenkeller am Burgberg von 1925 (ergänzt nach BIRZER 1968, Durchschlag des Henninger-Kellers v. FREYBERG 1975)

Die im 17. Jahrhundert aus Frankreich zugewanderten Hugenotten begannen 1685 (Tucher Keller) damit, Keller in den nur 60 Meter hohen Berg zu treiben, damit das Bier auch im Sommer kühl lagerte. Die insgesamt 16 Keller brachten es in den besten Zeiten auf fast 20 Kilometer Stollenlänge. Die Felsenkeller sind vor allem Zeugnis für die „Bierstadt“ Erlangen und die Brauereivielfalt, die es vor der Zeit des ersten Weltkrieges in Erlangen gab.

Die Felsenkeller befinden sich am Südhang des Burgbergs, unter großen Schatten spendenden Eichen und Linden. Die Qualität des Bieres verbesserte sich scheinbar durch die Lagerung in den Kellern, daher wurden seit 1685 immer mehr Keller errichtet: 1711 zählte man bereits 7 Keller, 1770 schon 13, 1811 15 Keller und 1925 schließlich 16 Keller.

Bis zur Erfindung der Kühlmaschine (1876) dienten die Keller zur Kühlung des Bieres: Im Winter wurde Eis in die Eisgruben gelegt, das durch Verdunstung für kühle Temperaturen sorgte. Damit das Schmelzwasser besser abfließen konnte, steigen die Bierkeller von ihren Eingängen an leicht an.

Die Felsenkeller ragen unterschiedlich tief in den 60 Meter hohen Burgberg hinein: Zwischen 70 und 100 Meter messen die meisten Stollen. Den längsten Keller, der mit 861 Meter eher ein Tunnel war, baute die Reifbrauerei 1884 unter dem Burgberg hindurch. Leider wurden die Keller stetig unbeaufsichtigt erweitert und es wurde nicht nur in die Tiefe gegraben, sondern auch Quergänge errichtet. Da dabei nicht genug auf die Statik geachtet wurde, stürzte nach dem 2. Weltkrieg ein Teil der Stollen ein. Viele der heutigen Stollen sind deshalb nicht mehr bis zu ihrem ursprünglichen Ende begehbar.

Zweckentfremdung

Einige Keller wurden wegen ihres feucht-kühlen Klimas ab 1916 für die Champignonzucht verwendet. Während des Zweiten Weltkriegs dienten die Keller den Erlangern als Luftschutzbunker.

Pferdewagen der Steinbach-Bräu zum Biertransport. Quelle: Stadtarchiv.
Pferdewagen der Steinbach-Bräu zum Biertransport. Quelle: Stadtarchiv.

Wie das Bier auf die Keller kam

Im 18. Und 19. Jahrhundert wurde das Bier aus der Altstadt mithilfe von Pferdegespannen zu den Kellern auf den Berg transportiert. Die Durchfahrt des nur 3,75 Meter breiten Bayreuther Tores war dabei immer ein Hindernis. Es passte immer nur ein Bier-Wagen hindurch. Auf Drängen der Brauereibesitzer wurde das Stadttor 1865 von der Stadtverwaltung abgerissen. Auf eigene Kosten ließen die Brauereinen die Bergstraße und die Querstraße für das Befahren mit Fuhrwerken ausbauen.

 

Postkarte aus den 1920er Jahren mit einem Lusthäuschen. Quelle: Stadtarchiv.
Postkarte aus den 1920er Jahren mit einem Lusthäuschen. Quelle: Stadtarchiv.

Die Lusthäuschen

1718 wurde für den Eingang des Erichskellers ein Portal errichtet, über dem ein „Lusthäuschen“ gebaut wurde. Das war das Vorbild für die weitere architektonische Bebauung des Berggeländes: Immer mehr quadratische oder achteckige Kellerhäuschen aus Sandstein entstanden über den Kellern der verschiedenen Brauereien.

Quellen:
Birke, Ralf und Karl-Kraus, Karl (Hrsg.): Der Berg: Das Phänomen Erlanger Bergkirchweih. Birke Verlagsgesellschaft, Erlangen, 2004.
Stadt Erlangen (Hrsg.): 225 Jahre Erlanger Bergkirchweih 1755-1980. Stadt Erlangen, 1980.
Wünschmann, Renate: Die Bergkirchweih im Taschenformat. Sonderdruck aus: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung. Band 50/2004. Erlangen, 2004.