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Der Pfingstjahrmarkt

Postkarte "Leben am Erichskeller", um 1900. Quelle: Stadtarchiv
Postkarte "Leben am Erichskeller", um 1900. Quelle: Stadtarchiv

Seit jeher wird 1755 als Gründungsjahr der Erlanger Bergkirchweih genannt. Aber eigentlich wurde damals nicht die Bergkirchweih an sich ins Leben gerufen, sondern der Pfingstjahrmarkt der Altstadt. Aufgrund der vorhandenen Bierkeller und des zu Pfingsten abgehaltenen Vogelschießens hielt man den Ort am Burgberg für bestens geeignet, um nicht nur viele Besucher anziehen sondern auch bewirten zu können. Der Pfingstjahrmarkt sollte von da an für drei Tage stattfinden. Aus einer Verordnung von 1798 geht hervor, dass damals vor allem Lebensmittelhändler auf dem Berg waren, die ihre Waren verkauften. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging das Warenangebot immer weiter zurück und Nahrungsmittel- und Vergnügungsangebot sowie Attraktionen traten an seine Stelle: 1897 ist in der Meßordnung von Caroussels, Schaukeln, Schaustellern und Musikdarbietungen die Rede. Um 1900 besuchten an den beiden Haupttagen ca. 20.000-30.000 Menschen die Bergkirchweih – beachtlich, wenn man bedenkt, dass Erlangen damals nur knapp 23.000 Einwohner zählte.

Bis zum heutigen Tag untrennbar mit der Bergkirchweih verbunden ist schon seit Ende des 18. Jahrhunderts die Bratwurst. In einer Schilderung des Theologiestudenten Heinrich Barleben von 1795 heißt es: „ Bratwurstdämpfe steigen von 50 Rosten empor, überall klappern die Bierkrüge, die Buben laufen jubelnd mit ihren Eierringen herum, blasen auf ihren schnarrenden Trompeten und die Weiber kaufen Band zu den Schürzen ein…“ . Von den Erlanger Studenten wurde die Bergkirchweih auch liebevoll „Bratwurstfest“ genannt.

Vom 2. Mai 1796 datiert der erste amtliche Bericht über die Bergkirchweih: „Bekanntlich wird in hiesiger Altstadt am dritten Pfingstfeiertag das alliähriche Kirchweyhfest gefeiert, welches dry Tage lang dauert. An diesen Tagen wird auf dem dasigen Schieshaus Platz ein öffentlicher Jahrmarkt gehalten, wo sich viele Fremde aus hiesigen benachbarten Orten einfinden, und vieles Geld umgesetzt wird. Die hiesigen Beken, Bierbrauer, Metzger, Wirthe und Krämer haben dabei viele Losung. An gedachten 3ten Pfingsttage wird zugleich dass jährliche Vogelschießen von der Schützen Compagnie abgehalten...“

Die heutige Bezeichnung „Bergkirchweih“ wird erst 1814 überliefert, hat sich aber seitdem etabliert.

Postkarte Henninger Keller 1909
Postkarte mit dem Henninger Keller, um 1909. Quelle: Stadtarchiv

Heute länger als damals

Ursprünglich auf 3 Tage festgesetzt, wurde der Pfingstjahrmarkt 1870 auf 8 Tage verlängert. Seit 1955 dürfen wir die Bergkirchweih 12 Tage lang feiern.

Ausfälle

Mindestens 16 Mal hat die Bergkirchweih seit ihrem Bestehen nicht stattgefunden bzw. wurde sie verlegt. Unklar ist, ob in den Jahren 1758 und 1759 während des 7-jähigen Krieges die Kirchweih stattfand. Belegt sind jedoch die Ausfälle von Pfingstmarkt und Vogelschießen wegen großen Hungersnot von 1770 bis 1772, als fast 19 % der damaligen Erlanger Bevölkerung starb. 1778 wurde die Kirchweih aufgrund eines heftigen Unwetters verschoben. 1886 war der Tod des Märchenkönigs Ludwig II. Anlass dafür, dass die Bergkirchweih abgesagt wurde.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges  von 1915 bis 1920 sowie während des Zweiten Weltkrieges von 1940 bis 1945 fanden keine Bergkirchweihen statt.

Die Gesamtzählung verändert sich laut Dr. Andreas Jakob, Leiter des Stadarchivs Erlangen, dadurch aber nicht: "Wer irgendwann aufhört, seine Geburtstage zu feiern, altert trotzdem."

Revolutionen

Es werde Licht: 1887 wurden Erich-Keller und Henninger Keller mit elektrischem Licht versehen. Die Beleuchtung hatte zur Folge, dass das Ende der Veranstaltung auf 24:00 Uhr festgesetzt werden musste, sonst hätte man wohl bis zum Morgen gefeiert.

Toilettengeschichte: Bis 1839 war nicht geregelt, wo die Besucher der Bergkirchweih ihre Notdurft verrichten sollten. Ab 1839 waren die Wirte jedoch dazu angehalten, einen Platz mit Wedeln zu umstecken oder ein Fass bereitzustellen, wo die Menschen ihr Geschäft verrichten konnten. Ab 1897 war den Wirten der Ausschank des Bieres nur gestattet, wenn sie auch Pissoire auf eigene Kosten zur Verfügung stellten oder sich an den Kosten der städtischen Anlagen beteiligten.

Verboten: Seit 1923 ist das Werfen von Maßkrügen ausdrücklich verboten.

Kindertag: 1935 wurde von den Schaustellern der Kindertag am Donnerstag nach Pfingsten eingeführt.

Rivalitäten

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren die Erlanger Studenten mit Privilegien ausgestattet und unterschieden sich von den Handwerksburschen durch ihr elitäres Sonderbewusstsein. Diese Rivalität führte zu zahlreichen Schlägereien zwischen beiden Gruppen auf der sonst friedlichen Bergkirchweih. Dass es nach wie vor häufig zu Rangeleien auf dem Berg kommt, ist also nicht nur dem Bier geschuldet, sondern gehört zur Bergkirchweih traditionell dazu.

Warum ist das so?

Bei der Bierprobe, die bis 1879 drei Tage, bis 1955 zwei Tage vor Festbeginn stattfand, entschieden die Bürger, welches Bier ihnen am besten schmeckte. Seit 1958 ist der Donnerstag vor Pfingsten, der Tag der Bierprobe, offiziell der Eröffnungstag der Bergkirchweih. War die Bierprobe um 1930 noch „eine fast intime Feier, eine Angelegenheit für Fachleute und Genießer […]“, ist davon heute nichts mehr zu spüren. Seit 1958 wird die Bergkirchweih nicht mehr mit der Bierprobe, sondern durch den Bieranstich des Oberbürgermeisters eröffnet. Die Bierprobe, die heute nur noch die Brauereinen Kitzmann und Steinbach veranstalten, wurde auf etwa sechs Wochen vor Pfingsten vorverlegt.

Um 1920 kam der Brauch auf, das Ende der Bergkirchweih durch das feierliche zu Grabe tragen eines Bierfasses zu zelebrieren. Dabei wurde traditionell der Trauermarsch von Chopin gespielt und die trauernde Berggemeinde winkte mit weißen Taschentüchern. Heute begleitet „Lili Marleen“ das Begräbnis des letzten Fasses am Erich-Keller. Mit Taschentüchern wird immer noch gewunken.

Seit 1950 gibt es die Tradition, alle Kirchweihabende mit dem melancholischen „Lili Marleen“ zu beenden. Man gedachte der vergangenen Kriegsjahre, den Soldatenschicksalen und der Soldaten, die noch immer in Kriegsgefangenschaft lebten. Bis heute denkt man bei „Lili Marleen“ an die Kriegsjahre, in denen Bergkirchweih ausfallen musste.

Quellen:
Birke, Ralf und Karl-Kraus, Karl (Hrsg.): Der Berg: Das Phänomen Erlanger Bergkirchweih. Birke Verlagsgesellschaft, Erlangen, 2004.
Stadt Erlangen (Hrsg.): 225 Jahre Erlanger Bergkirchweih 1755-1980. Stadt Erlangen, 1980.

Wünschmann, Renate: Die Bergkirchweih im Taschenformat. Sonderdruck aus: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung. Band 50/2004. Erlangen, 2004.